Das Land Brandenburg hat die bisher größte Bahn-Ausschreibung seiner Geschichte in Abstimmung mit den Ländern Berlin, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt auf den Weg gebracht. Die 22 Millionen Zugkilometer pro Jahr haben ein Auftragsvolumen von 1,3 Milliarden Euro und gelten für 16 RegionalExpress- und RegionalBahn-Linien bei einer Laufzeit von 10 bis 11 Jahren. "Wir bekommen Dank des Wettbewerbs mehr Qualität für die Fahrgäste zu geringeren Kosten. Insgesamt erwarte ich erhebliche Ersparnisse. Gleichzeitig werden wir moderneres Wagenmaterial und mehr Komfort für die Fahrgäste anbieten können", erklärte Infrastrukturminister Dellmann.
Bei den acht bisher erfolgreich abgeschlossenen Vergaben wurden bis zu 45 Prozent gegenüber DB Regio eingespart. Diese Strecken sollen von 2009 bis 2011 erneut ausgeschrieben werden.
Die jetzt vorgesehene Ausschreibung umfasst 4 Lose, wobei ausgeschlossen ist, dass ein Wettbewerber alle 4 Lose gewinnt. Los Nummer 1 und Nummer 2 sollen auf jeden Fall an unterschiedliche Bewerber vergeben werden.
Los 1 umfasst das Angebot der Linien RE1, RE11, RB13, RB20, RB21 sowie neu:
RB22 Potsdam Hbf - Flughafen Schönefeld (- Königs Wusterhausen) über Golm
RB23 Potsdam Hbf - Michendorf (bisher Teilstrecke der RB22)
Los 2 enthält die Linien RE2, RE4, RB33 und RB51
Los 3: RB14
RE7 Dessau - Berlin - Wünsdorf-Waldstadt (- Senftenberg)
RE9 Berlin Hbf - Flughafen Schönefeld (BBI Terminal), Flughafen Express
RB24 Wünsdorf Waldstadt - Flughafen Schönefeld - Lichtenberg - Eberswalde
Los 4
RB35 Fürstenwalde - Bad Saarow Klinik (bis 2014, siehe Ost-Brandenburg)
Die Betriebsaufnahme soll bei den RB-Linien (und dem RE9) im Dezember 2011, bei den RE-Linien im Dezember 2012 und auf der Linie RB24 im Dezember 2014 erfolgen.
Weitere Ausschreibungen:
1/2009 Süd-Brandenbung (RE15, RE18, RB31)
9/2009 Nordwest-Brandenbung (RE6, RB55, RB73, RB74)
Betriebsaufnahme: Dezember 2012
12/2010 Nord-Süd (RE3, RE5)
05/2011 Ost-Brandenbung (RB12, RB25, RB26, RB35, RB36, RB54, RB60, RB63, RB66)
Betriebsaufnahme: Dezember 2014
Innerhalb der 25. Schienenverkehrs-Wochen fand am 22. September 2008 der Sprechtag für Fahrgäste des Regionalverkehrs statt. Der Einladung des Berliner Fahrgastverbands IGEB gefolgt sind für die Deutsche Bahn Renado Kropp, DB Regio Angebotsplanung, und Holger Prestin, DB Regio Öffentlichkeitsarbeit, sowie erstmals mit Uwe Bögge ein Vertreter von DB Station & Service, für die Ostdeutsche Eisenbahngesellschaft (ODEG) Eva Troschke, zuständig für das Marketing, und für die Niederbarnimer Eisenbahn (NEB) deren Geschäftsführer Detlef Bröcker.
Hier ein Überblick über die angesprochenen Themen.
Pünktlichkeit
Die Pünktlichkeit ist ein wichtiger Faktor für zufriedene Kunden, weshalb sie bei den Eisenbahnunternehmen auch einen hohen Stellenwert hat. Die größten Einflusse darauf haben Bauarbeiten, Infrastrukturmängel, überfüllte Züge und wärmebedingte Störungen. Dies hat sich aufgrund der Netzgröße vor allem bei der DB Regio bemerkbar gemacht, die derzeit bei einem Wert von 89,1 Prozent liegt. Der bisherige Jahresschnitt liegt bei 91,3 Prozent und damit knapp unter dem Ziel von 91,8 Prozent.
Die NEB weist auf ihrer Hauslinie
NE27 eine sehr gute Pünktlichkeit von 99 Prozent auf. Dieser Wert wurde auch im vergangenen Jahr erreicht. Die Linie
NE26 liegt bei 96 Prozent (im Vorjahr 97 Prozent). Hier machen sich die zusätzlichen Züge bemerkbar, die im Zusammenhang mit dem Neubau der Oderbrücke bei Frankfurt/Oder über die Strecke der
NE26 umgeleitet wurden.
Auch die ODEG weist unterschiedliche Pünktlichkeitsraten für ihre Linien auf. Die nahezu unabhängig von äußeren Einflussen betriebenen Linien
OE25,
OE35 und
OE63 liegen um die 99 Prozent. Die Linien
OE36 und
OE60 liegen hingegen mit etwa 92 Prozent unter dem von der ODEG selbst erklärtem Ziel von 95 Prozent. Hier haben sich vor allem die Bauarbeiten entlang der Strecken ausgewirkt.
Fahrplanwechsel 14. Dezember 2008- Aufgrund der zahlreich anstehenden Bauarbeiten (siehe dazu nächstes Kapitel) im Netz kommt es auf den Regionalexpresslinien RE3 und RE4 zu Änderungen in den Fahrplanlagen. Dies betrifft vor allem den Südabschnitt der RE3-Relation Schwedt/Oder - Elsterwerda, dessen Züge auch einen längeren Aufenthalt am Berliner Hauptbahnhof erhalten werden. Die Änderungen haben auch Auswirkungen auf die Fahrplanlage der Regionalexpresslinie RE5.
- Die Regionalexpresslinie RE4 verkehrt künftig in der Hauptverkehrszeit über Luckenwalde hinaus bis nach Jüterbog.
- Auf der Regionalbahnlinie RB12 entfällt aufgrund der fehlenden Nachfrage die morgendliche Leistung nach Templin. Dafür gibt es neu eine Spätverbindung ab Berlin-Lichtenberg um 22:37 Uhr, von der sich eine bessere Nachfrage erhofft wird.
- Die Regionalbahnlinie RB13 erhält aufgrund der guten Entwicklung und Nachfrage in der Region Wustermark - Dallgow-Döberitz zwei weitere Zugpaare. Morgens fährt um 8:54 Uhr ein Zug von Wustermark nach Berlin-Spandau und zurück, abends um 19:45 Uhr ab Berlin-Spandau nach Wustermark und zurück.
- Der Ausflugszug "Rügen-Express" fährt in der nächsten Saison wieder über Angermünde, Prenzlau, Züssow, Greifswald und Bergen nach Binz auf Rügen. Der erste Einsatz erfolgt zu Ostern, dann jeden Samstag und Sonntag in den Sommermonaten.
- Die ODEG übernimmt zum Fahrplanwechsel die Leistungen im so genannten Teilnetz Spree-Neiße. Das Netz umfasst die Linien OE46 Cottbus - Forst, OE65 Cottbus - Görlitz - Zittau, OE60V Bischofswerda - Bautzen - Görlitz und OE64 Hoyerswerda - Niesky - Görlitz, die momentan von der DB Regio bzw. der zum Veolia-Konzern gehörenden Lausitzbahn betrieben werden.
Bauarbeiten und sonstige Einschränkungen 2009
Auch 2009 werden zahlreiche Baumaßnahmen durchgeführt. Einen Schwerpunkt bilden dabei die Hamburger Bahn, auf der so genannte Bröselschwellen ausgetauscht werden müssen, und die Ertüchtigung der Dresdner Bahn. Auf dieser wird zwischen Wünsdorf und Baruth nur ein Gleis zur Verfügung stehen. Weitergeführt werden die Bauarbeiten auf der Frankfurter Bahn (zwischen Berlin-Köpenick und Erkner, inklusive Bahnhof Erkner) und im Bereich Ostkreuz-Rummelsburg.
Darüber hinaus gibt es weitere eingleisige Führungen zwischen Löwenberg und Nassenheide (September bis Dezember, Linie
RE5), Wilmersdorf und Prenzlau sowie Jatznick und Ducherow (jeweils September und Oktober, Linie
RE3). Die Arbeiten an dem elektronischen Stellwerk (ESTW) Müncheberg führen zeitweise zu Einschränkungen zwischen Rehfelde und Strausberg (Linie
NE26).
01.03. - 13.06.09 Streckenausbau Hamburger Bahn
Dabei kommt es zu umfangreichen Einschränkungen. Zwischen Nauen und Wittenberge erfolgt eine Komplettsperrung und zwischen Wittenberge und Hamburg ein eingleisiger Betrieb. Die Regionalexpresslinie
RE4 verkehrt nur zwischen Nauen und Ludwigsfelde bzw. Jüterbog. Zwischen Wittenberge und Nauen besteht Schienenersatzverkehr. Um auch für den Regionalverkehr weiterhin eine Direktverbindung nach Wittenberge und weiter über Schwerin nach Wismar anbieten zu können, wird die Regionalexpresslinie
RE2 während der Sperrzeit alle zwei Stunden von Rathenow über Stendal, Wittenberge nach Wismar verlängert.
September - November 2009 Berliner Stadtbahn
Auf der Stadtbahn werden punktuell der Oberbau ertüchtigt und Stellwerksanpassungen durchgeführt. Dabei wird es im genannten Zeitraum an zwei Tagen zu einer Vollsperrung der Stadtbahn und anschließender Strecken kommen.
Überfüllte Züge und zu viele Fahrräder
In den Sommermonaten kommt es regelmäßig zu überfüllten Fahrzeugen vor allem Richtung Ostsee. Erschwert wird das Problem noch durch die stark angestiegene Zahl an Fahrradmitnahmen. Trotz zusätzlicher Wagen, sofern aufgrund der Bahnsteiglänge und Verfügbarkeit möglich, bleiben auch schon einmal Fahrgäste zurück. Dies führt nicht nur bei den Fahrgästen zu einer Unzufriedenheit sondern auch bei der DB Regio selbst, weshalb für 2009 ein neues Konzept entwickelt wird, um dem Problem besser Herr zu werden.
Überhaupt wird die ansteigende Fahrradmitnahme zu einem Problem, welches nicht nur DB Regio sondern auch die NEB - vor allem auf der Heidekrautbahn - und die ODEG betrifft. Die Mehrzweckabteile reichen selten aus, weshalb sich die Fahrräder oft auch im Türbereich befinden. Dies stört wiederum den Fahrgastwechsel und führt gerade im Regionalverkehr zu längeren Haltezeiten an den Bahnhöfen und damit zu Verspätungen. Da ein ständiger Fahrzeugumbau - mal mehr Sitze, mal mehr Stellfläche für Fahrräder - nicht machbar ist und die Züge auch nicht unbegrenzt verlängert werden können, appellieren die Eisenbahnunternehmen an die Fahrgäste mehr Rücksicht auf andere zu nehmen und gegebenenfalls auch einmal auf das Fahrrad zu verzichten. Gleichwohl sind keine Einschränkungen geplant.
Sonstiges- Die neue morgendliche Verbindung zwischen Belzig und Potsdam Hbf verzeichnet schon nach einem Monat eine gute Annahme. Täglich finden sich 100 bis 150 Fahrgäste in dem Zug, der als Ausflugszug über die Berliner Stadtbahn weiter nach Stettin fährt.
- Die NEB installiert auf ihren Bahnhöfen der Heidekrautbahn (Linie NE27) Ende 2008/Anfang 2009 dynamische Fahrgastinformationssysteme.
- Der Wiederaufbau der alten Stammstrecke der Heidekrautbahn zwischen Basdorf und Berlin-Wilhelmsruh und weiter nach Gesundbrunnen ist wieder in den öffentlichen Fokus gerückt. Eine Kosten-Nutzen-Analyse ist ausgeschrieben worden und soll noch im Oktober beauftragt werden.
- Etwa 70 Prozent aller Bahnsteige in Berlin und Brandenburg sind barrierefrei erreichbar, wenngleich nicht alle Zugänglichkeiten immer optimal sind.
- Der Berliner Senat wünscht einen Regionalbahnhof in Berlin-Köpenick, der bei stehender Finanzierung durch die Bahn auch gebaut werden wird.
- Auf der Regionalexpresslinie RE10 Leipzig - Falkenberg - Cottbus werden ab 2010 Talent-Elektrozüge verkehren. Mit diesen Fahrzeugen hat die DB Regio die Ausschreibung der Linie gewonnen.
- Voraussichtlich zum 31.12.2010 soll die Linie OE35 Fürstenwalde - Bad Saarow bis zum Klinikum in Bad Saarow verlängert werden. Ob es jemals wieder weiter bis Beeskow gehen wird, ist derzeit eher unwahrscheinlich.
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